Ab etwa drei Jahren können Kinder kleine, wiederkehrende Aufgaben übernehmen – Spielzeug wegräumen, den Tisch decken, Socken zusammenlegen. Was zu deinem Kind passt, hängt weniger vom Alter ab als davon, was es schon kann und was in eurer Familie wirklich gebraucht wird. Die Tabelle unten ordnet 40 Aufgaben nach dem Alter, ab dem die meisten Kinder sie schaffen, und macht je Aufgabe einen Vorschlag: gehört das einfach dazu, oder ist es ein Extra?
Die Altersangaben sind eine Orientierung, keine Messlatte. Ein Fünfjähriger, der gern kocht, darf mit dem Rührlöffel dabei sein; eine Zehnjährige, die Staubsaugen hasst, darf lieber die Wäsche aufhängen. Entscheidend ist, dass die Aufgabe echt ist: Kinder merken sehr genau, ob ihre Hilfe gebraucht wird oder ob sie nur beschäftigt werden sollen.
Warum Mithelfen Kindern guttut
Eltern erleben Hausarbeit meist als Last. Für Kinder ist sie zunächst etwas anderes: ein Stück Welt, in dem sie wirksam sind. Die Erziehungsberatung der Stadt Emden fasst zusammen, was Kinder beim Mithelfen lernen: dass Zusammenleben nur klappt, wenn alle Verantwortung übernehmen; dass eigene Fähigkeiten wachsen, etwa Zeit einzuplanen oder einen Ablauf einzuüben; und dass manche Verrichtungen „auch wenn sie noch so lästig oder mühsam sind, zum Leben dazu gehören“. Dazu kommt der schlichte Stolz, etwas übertragen bekommen zu haben.
Auch das Gesetz kennt das Mithelfen: § 1619 BGB sagt, dass Kinder, solange sie zu Hause wohnen und von den Eltern versorgt werden, verpflichtet sind, „in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten“. Das ist kein Hebel, den man im Alltag zieht – aber eine gute Antwort auf die Frage, ob Mithilfe eigentlich bezahlt werden muss. Muss sie nicht. Sie gehört dazu.
Die Tabelle: 40 Aufgaben von 3 bis 13 Jahren
„Ab“ ist das Alter, ab dem die meisten Kinder die Aufgabe mit etwas Anleitung schaffen. Die letzte Spalte ist unser Vorschlag, kein Urteil: Was bei euch dazugehört und was ein Extra ist, entscheidet ihr. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
| Ab | Aufgabe | Bereich | Was das Kind tut | Vorschlag |
|---|---|---|---|---|
| 3 | Zähne putzen | Körperpflege | Zwei Minuten, oben, unten, vorne, hinten – ein Erwachsener putzt nach | gehört dazu |
| 3 | Hände waschen | Körperpflege | Mit Seife, auch zwischen den Fingern, gut abtrocknen | gehört dazu |
| 3 | Schlafanzug anziehen | Körperpflege | Für die Nacht umziehen, Kleidung auf den Stuhl legen | gehört dazu |
| 3 | Spielzeug wegräumen | Ordnung | Alles in die Kiste oder ins Regal, am Ende ist der Boden frei | gehört dazu |
| 3 | Socken zusammenlegen | Haushalt | Immer zwei gleiche suchen, zusammenlegen, in den Schrank bringen | gehört dazu |
| 4 | Tisch decken | Haushalt | Teller, Becher und Besteck für jede Person | gehört dazu |
| 4 | Pflanze gießen | Natur & Tiere | Etwas Wasser, nicht zu viel – die Erde soll feucht sein | ihr entscheidet |
| 4 | Schmutzwäsche in den Korb | Ordnung | Nichts bleibt auf dem Boden liegen | gehört dazu |
| 4 | Schuhe ordentlich hinstellen | Ordnung | Nebeneinander an ihren Platz | gehört dazu |
| 4 | Bücher ins Regal stellen | Ordnung | Die großen nach unten | gehört dazu |
| 5 | Müll trennen | Haushalt | Papier, Plastik und Essensreste in den richtigen Eimer; bei Unsicherheit fragen | gehört dazu |
| 5 | Haustier füttern | Natur & Tiere | Frisches Futter und Wasser; vorher fragen, wie viel | gehört dazu |
| 5 | Danke sagen | Miteinander | Jemandem danken, der geholfen hat | ohne Punkte |
| 6 | Zimmer aufräumen | Ordnung | Spielzeug in die Kisten, Kleidung in den Schrank, Müll in den Eimer | gehört dazu |
| 6 | Bett machen | Haushalt | Decke und Kissen aufschütteln und ordentlich hinlegen | gehört dazu |
| 6 | Schultasche packen | Schule | Für morgen, mit Blick auf den Stundenplan | gehört dazu |
| 6 | 10 Minuten lesen | Schule | In einem Buch lesen und danach erzählen, was passiert ist | ihr entscheidet |
| 6 | Hausaufgaben machen | Schule | An einem ruhigen Platz; bei Fragen Hilfe holen | ihr entscheidet |
| 7 | Geschirr in die Spülmaschine | Küche | Das eigene Geschirr nach dem Essen einräumen; Vorsicht bei Messern | gehört dazu |
| 7 | Mit dem Hund rausgehen | Natur & Tiere | Eine kleine Runde, zusammen mit einem Erwachsenen | ihr entscheidet |
| 7 | Mathe üben | Schule | Zehn Aufgaben rechnen, danach prüfen lassen | ihr entscheidet |
| 7 | Geschwistern helfen | Miteinander | Bei einer Sache, zum Beispiel beim Anziehen oder Aufräumen | ohne Punkte |
| 8 | Obst und Gemüse waschen | Küche | Gründlich unter Wasser, dann in eine Schüssel | gehört dazu |
| 8 | Müll rausbringen | Haushalt | Den vollen Beutel zur Tonne bringen, einen neuen einlegen | Extra |
| 8 | Staub wischen | Haushalt | Regal und Tisch im eigenen Zimmer | Extra |
| 9 | Pausenbrot vorbereiten | Küche | Für morgen, mit etwas Obst oder Gemüse dazu | gehört dazu |
| 9 | Wäsche aufhängen | Haushalt | Jedes Teil ausschütteln und ordentlich aufhängen | Extra |
| 9 | Vokabeln lernen | Schule | 15 Minuten, danach abfragen lassen | ihr entscheidet |
| 9 | Unkraut zupfen | Natur & Tiere | Im Garten oder Blumenkasten; vorher fragen, welche Pflanzen bleiben | Extra |
| 10 | Staubsaugen | Haushalt | Den Boden im eigenen Zimmer, vorher alles vom Boden räumen | Extra |
| 10 | Wäsche sortieren | Haushalt | Hell und dunkel trennen, Hosentaschen leeren | Extra |
| 10 | Einfaches Essen kochen | Küche | Mit einem Erwachsenen, zum Beispiel Nudeln; danach mit aufräumen | Extra |
| 10 | Einkaufsliste schreiben | Haushalt | Schauen, was fehlt, und aufschreiben | ihr entscheidet |
| 10 | 30 Minuten draußen bewegen | Körperpflege | Rad fahren, laufen, Ball spielen | ohne Punkte |
| 11 | Bad putzen | Haushalt | Waschbecken und Spiegel, bis es glänzt | Extra |
| 11 | Für eine Prüfung lernen | Schule | 30 Minuten, mit kurzer Pause nach der Hälfte | ihr entscheidet |
| 11 | Streit friedlich lösen | Miteinander | In Ruhe reden, zuhören, gemeinsam eine Lösung suchen | ohne Punkte |
| 12 | Fahrrad pflegen | Haushalt | Licht, Bremsen und Reifen prüfen, Reifen aufpumpen | Extra |
| 12 | Wochenplan erstellen | Schule | Schule, Hobbys und Lernzeit in einen Kalender eintragen | ihr entscheidet |
| 13 | Für die Familie kochen | Küche | Ein ganzes Essen planen und kochen | Extra |
Die Liste deckt sich mit dem, was Beratungsstellen nennen: Vorschulkinder räumen Spielsachen auf, decken den Tisch, helfen beim Wäschefalten und gießen Blumen; Grundschulkinder machen ihr Bett, bringen Wäsche in den Korb, saugen Staub und bringen den Müll weg; nach der Grundschule kommen kleine Mahlzeiten, Einkaufen und die Spülmaschine dazu.
Pflicht oder Extra? So könnt ihr entscheiden
Die wichtigste Frage ist nicht, welche Aufgabe ein Kind bekommt, sondern was ihr daran hängt. Drei Gruppen haben sich bewährt:
Gehört dazu. Zähneputzen, den eigenen Teller abräumen, das Zimmer in Ordnung halten: Das sind Dinge, die man tut, weil man zur Familie gehört – nicht für Punkte oder Geld. Dafür gibt es ein Danke, manchmal ein „Hast du gut gemacht“, und das reicht. Das Deutsche Jugendinstitut formuliert es in seiner Expertise 2025 so: Regelmäßige, altersgerechte Mithilfe „sollte nicht mit dem Taschengeld verknüpft oder darüber ‚vergütet‘ werden“. Die UBS schreibt in ihrem Ratgeber dasselbe für den Schweizer Ämtliplan: Alltägliches wie Aufräumen oder Abwasch wird nicht bezahlt, weil es „zur ‚Pflicht‘“ gehört und das Verantwortungsgefühl in der Familie stärkt.
Extra. Aufgaben, die über die übliche Mithilfe hinausgehen – das Bad putzen, die ganze Wäsche aufhängen, ein Essen für alle kochen –, dürfen anders behandelt werden. Hier ist ein vorher vereinbarter Bonus in Ordnung: ein paar Punkte für ein Ziel, das sich das Kind selbst ausgesucht hat, oder bei Größeren eine kleine, klar vom Taschengeld getrennte Entlohnung. Wichtig ist das Wort „vorher“: Was ein Extra ist, wird abgesprochen, nicht nachträglich verhandelt.
Ihr entscheidet. Lesen, Hausaufgaben, Vokabeln, Mathe üben: Hier gehen die Meinungen auseinander, und das ist in Ordnung. Dafür spricht, dass Punkte bei ungeliebten Pflichten einen Anschub geben können, bis die Routine steht. Dagegen spricht, was die Forschung zur Motivation seit Jahrzehnten findet: Wer ohnehin gern liest, liest mit Belohnung eher weniger gern – erwartete Sachbelohnungen für Tätigkeiten, die Kinder von sich aus mögen, schwächen die eigene Lust daran. Eine Faustregel, die vielen Familien hilft: Punkte nur dort, wo das Kind sonst gar nicht anfangen würde, und nur so lange, bis es von allein läuft. Was bei euch stimmt, wisst ihr am besten.
Für Sozialverhalten – Danke sagen, Geschwistern helfen, Streit lösen – raten wir zu einer vierten Antwort: ohne Punkte. Zuwendung und Fairness sollen Kinder nicht als Tauschgeschäft lernen. Als Aufgabe auf der Liste können sie trotzdem stehen, weil sie Kindern zeigen, was in der Familie zählt.
Eine neue Aufgabe einführen
Kinder übernehmen Aufgaben nicht, weil sie auf einer Liste stehen, sondern weil jemand sie ihnen gezeigt hat. Drei Schritte, die sich in fast jeder Familie bewähren:
- Vormachen. Einmal gemeinsam, langsam, mit Worten dazu: „Erst die Teller, dann die Becher.“ Bei kleinen Kindern reicht ein Teil der Aufgabe, etwa nur die Becher.
- Zusammen machen. Ein paar Tage lang nebeneinander, das Kind macht, du bist in Reichweite. Fehler sind erlaubt und werden nicht kommentiert, sondern beim nächsten Mal kurz anders gezeigt.
- Allein machen. Dann gehört die Aufgabe dem Kind – mit einem festen Zeitpunkt („nach dem Abendessen“) oder einem festen Wochentag. Die Erziehungsberatung Emden rät, Kinder bei der Verteilung mitreden und möglichst selbst entscheiden zu lassen, wann sie ihre Aufgaben erledigen; ein Kalender in der Küche hilft, dass nichts vergessen wird.
Und: eine Aufgabe nach der anderen. Was sitzt, braucht keine Aufmerksamkeit mehr; was neu ist, braucht sie ganz.
Was dabei nicht hilft
- Lohn für Pflichten. Wer fürs Zähneputzen bezahlt wird, putzt irgendwann nur noch gegen Geld. Taschengeld ist nach allem, was Fachstellen raten, kein Lohn – und kein Erziehungsmittel, das man kürzen kann.
- Drohen und Abziehen. „Wenn du nicht aufräumst, gibt es kein …“ erzeugt kurzfristig Bewegung und langfristig Widerstand. Einmal verdiente Punkte zu entziehen, nimmt dem Kind das Vertrauen in die Abmachung.
- Zu viel auf einmal. Eine Liste mit zehn Aufgaben ist für ein Grundschulkind eine Wand. Zwei bis vier feste Aufgaben, die es wirklich kann, tragen weiter.
- Perfektion erwarten. Ein von einem Sechsjährigen gemachtes Bett sieht aus wie von einem Sechsjährigen gemacht. Wer nachbessert, sagt dem Kind: Deine Arbeit zählt nicht.
- Vergleiche zwischen Geschwistern. „Deine Schwester schafft das doch auch“ hilft niemandem. Jedes Kind bekommt seine Aufgaben nach seinem Stand.